Die Gemeinde Auer im Südtiroler Unterland
Wer Auer im Südtiroler Unterland besucht, trifft auf einen Ort, der auf den ersten Blick ländlich und beschaulich wirkt und bei genauerem Hinsehen doch erstaunlich viel Geschichte zu bieten hat. Zwischen Weinbergen und Obstgärten, alten Natursteinmauern und verwinkelten Gassen verbindet die Gemeinde Auer bäuerliche Tradition mit mediterranem Lebensgefühl.
Auer – auf Italienisch: Ora – liegt etwa 20 Kilometer südlich der Südtiroler Landeshauptstadt Bozen und nur wenige Kilometer nördlich von Neumarkt. Das Dorf erstreckt sich am Fuß des Regglbergs auf dem Schwemmkegel des Holenbachs. Westlich öffnet sich das breite Etschtal, während im Osten die bewaldeten Hänge ansteigen.
Mit seiner Lage an der Südtiroler Weinstraße ist Auer zugleich ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge ins Südtiroler Unterland, an den Kalterer See und weiter in Richtung Dolomiten.
Ein Dorf mit zwei Gesichtern
Auer ist eine Marktgemeinde mit knapp 3.900 Einwohnern und damit groß genug, um ein lebendiges Zentrum mit Geschäften, Gastronomie und Beherbergungsbetrieben zu bieten, und zugleich klein genug, um seinen dörflichen Charakter zu bewahren. Besonders reizvoll ist der historische Ortskern. Enge, teils kopfsteingepflasterte Gassen führen zwischen hohen Natursteinmauern, alten Höfen und historischen Ansitzen durch die Ortschaft.
Gerade dieses Nebeneinander macht den besonderen Reiz des Ortes aus. Moderne Alltagskultur trifft auf jahrhundertealte Bausubstanz, mediterrane Vegetation auf die alpine Landschaft des Unterlandes. Wer durch das Oberdorf spaziert, entdeckt immer wieder Innenhöfe, Lauben und alte Mauern, die vom früheren Leben im Dorf erzählen.
Auch sprachlich und kulturell zeigt sich Auer als typisch für Südtirol. Deutsch und Italienisch sind Amtssprachen, beide Sprachgruppen prägen das gesellschaftliche und kulturelle Leben der Gemeinde.
Wein, Äpfel und ein mildes Klima
Die Landschaft rund um Auer ist stark von der Landwirtschaft geprägt. Weinberge und Obstplantagen ziehen sich durch die Talsohle und an den Hängen entlang. Das warme, sonnenreiche Klima des Südtiroler Unterlandes schafft günstige Bedingungen für den Weinbau. Angebaut werden unter anderem Lagrein, Vernatsch, Blauburgunder, Chardonnay und Gewürztraminer.
Gleichzeitig spielt der Apfelanbau eine wichtige Rolle. Große Obstplantagen prägen das Landschaftsbild und machen deutlich, dass Auer nicht nur vom Tourismus lebt, sondern bis heute eng mit der landwirtschaftlichen Tradition Südtirols verbunden ist.
Diese Verbindung von Weinbau, Obstwirtschaft und mediterranem Klima verleiht dem Ort seine besondere Atmosphäre. Besonders im Frühjahr und Herbst zeigt sich die Landschaft von ihrer eindrucksvollsten Seite.
Geschichte, die bis in die Antike reicht
Die Geschichte Auer reicht weit in die Vergangenheit zurück. Auf dem oberhalb des Ortes gelegenen Castelfeder weisen archäologische Funde auf eine Besiedlung bereits in vorgeschichtlicher Zeit hin. Später verlief in der Region die römische Via Claudia Augusta, eine bedeutende Verkehrsverbindung zwischen dem Alpenraum und Norditalien. Die verkehrsgünstige Lage trug dazu bei, dass sich Auer im Mittelalter zu einem wichtigen Handels- und Marktort entwickelte.
Vom einstigen Wohlstand zeugen noch heute zahlreiche Ansitze und historische Gebäude. Besonders im alten Ortskern lässt sich nachvollziehen, welche Bedeutung Auer über Jahrhunderte als Handelsplatz zwischen Bozen und Trient hatte.
Zwei Kirchen erzählen Ortsgeschichte
Zu den markantesten Bauwerken des Ortes gehört die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt im Zentrum von Auer. Ihre Geschichte reicht bis ins Mittelalter zurück. Bereits im 14. Jahrhundert stand an dieser Stelle eine Kirche, ehe 1674 ein neues Kirchenschiff zu Ehren der Rosenkranzkönigin geweiht wurde. Der untere Teil des Glockenturms stammt noch aus dieser Zeit; Turmabschluss und Glockenhaube wurden im späten 18. Jahrhundert ergänzt.
Noch älter ist die St.-Peter-Kirche am südlichen Ortseingang. Sie wurde erstmals im Jahr 1183 urkundlich erwähnt und gilt als eines der ältesten Gotteshäuser der Gemeinde. Der heutige Bau geht im Wesentlichen auf die spätgotische Bauzeit zwischen 1475 und 1526 zurück und vereint ältere romanische Elemente mit der gotischen Architektur.
Die Verlagerung der Pfarrfunktion von St. Peter zur zentral gelegenen Marienkirche erzählt dabei auch ein Stück Ortsgeschichte. Die alte Kirche war wiederholt von Überschwemmungen des Schwarzenbachs betroffen.
Der Castelfeder
Wer Auer verstehen möchte, sollte auch den Castelfeder besuchen. Der markante Porphyrhügel südlich des Ortes ist heute Naturschutz- und Erholungsgebiet zugleich. Zwischen Eichen, Moorflächen und Weihern finden sich Spuren verschiedener Epochen, welche von vorgeschichtlichen Siedlungen über die Römerzeit bis ins frühe Mittelalter reichen.
Auf dem Hügel stehen die Überreste einer frühmittelalterlichen Befestigungsanlage. Von hier oben eröffnet sich ein weiter Blick über das Etschtal und das Südtiroler Unterland – vom Bereich des Kalterer Sees bis zur Salurner Klause.
Damit ist Castelfeder weit mehr als ein Aussichtspunkt. Der Hügel verbindet Landschaft, Archäologie und Ortsgeschichte auf engem Raum und gehört zu den charakteristischsten und bekanntesten Ausflugszielen rund um Auer.
Unterwegs auf alten Wegen
Auch für Wanderer und Radfahrer bietet Auer zahlreiche Möglichkeiten. Von Auer aus können interessante und erlebnisreiche Ausflüge gestartet werden. Entlang der Etsch verläuft der Etschtal-Radweg, während oberhalb des Ortes die ehemalige Trasse der Fleimstalbahn verläuft. Die historische Bahnverbindung wurde bereits in den 1960er-Jahren stillgelegt; heute wird die Trasse unter anderem von Radfahrern und Mountainbikern genutzt und führt über San Lugano weiter ins Fleimstal im Trentino.
So lässt sich Auer auf unterschiedliche Weise entdecken. Zu Fuß kann man durch die alten Gassen gehen und mit dem Fahrrad durch die Wein- und Obstlandschaft fahren. Und besonders erlebnisreich ist ein Ausflug auf den Castelfeder, wo man sich auf die Spuren der Vergangenheit begeben kann.
Zusammenfassung
Auer ist kein Ort, der seine Besonderheiten speziell herausstellen muss. Die Besonderheiten liegen vielmehr im Detail. In den Mauern entlang der Weinberge, den alten Ansitzen, den engen Gassen des Oberdorfs, den Kirchen und Höfen und in der Landschaft, die unmittelbar hinter dem Ortsrand beginnt.
Gerade diese Mischung macht den Reiz der Marktgemeinde Auer aus. Auer verbindet die landwirtschaftlich geprägte Kultur des Südtiroler Unterlandes mit Weintradition, Geschichte und einem spürbaren mediterranen Einfluss. Wer nicht nur die großen Sehenswürdigkeiten Südtirols sucht, sondern einen Ort mit gewachsener Struktur und eigenem Charakter kennenlernen möchte, findet hier ein besonders vielseitiges Ziel. Der besondere Charm des Ortes zeigt sich schon alleine daran, dass zu jeder Zeit zahlreiche Urlaubsgäste kommen, die in Auer ihren Urlaub genießen und dabei die Vorzüge der Gemeinde und der Umgebung voll auskosten können.
